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REFLECTOR "The Heritage" LP + DL Code

15.50

new record pressed on blue/clear/white wax
limited to 292 copies

Neben eigenwilligen Songstrukturen ist die Band Reflector dafür bekannt, ihre Konzerte zu einer kompakten Dramaturgie aus ihren Songs, oder auch nur aus Teilen davon zu verschmelzen. Nun präsentiert das Duo, 15 Jahre nach dessen Gründung, mit „The Heritage“ ein Album das gänzlich auf Songs verzichtet und aus einem vielschichtigen und abwechslungsreichen Stück in Albumlänge besteht, in dem man durch verschiedenste Sound-Kulissen und Stimmungsmomente schweift.
Wie ein Soundtrack zu einem ungedrehten Film baut sich das Stück zunächst akustisch auf, man wandert durch Versatzstücke und Passagen des Sludge-Rock, über noisig aufwühlende Metalzitate zu getragenen melancholisch- repetitiven Gitarrenparts. In gewohnter Weise umschiffen Reflector etwaige Sound- oder Riffklischees und bauen mit „The Heritage“ ihr eigenes kleines Universum an musikalischen Stimmungsbildern weiter aus. Schließlich mündet die erste Seite der LP in einem einsamen Schlagzeugmotiv, welches immer seltener auftaucht bis die länger werdenden, hallenden Pausen im leeren Raum verschwinden.
Das Vinyl wird gewendet und die zweite Seite beginnt wieder mit dem selbem Motiv, welches langsam wieder Rhythmus findet, die Gitarre kommt behutsam hinzu und ein neues Kapitel wird eingeleitet. Es tun sich massive Soundwände und getragene Beats auf, manövrieren schließlich zu einem Spannungsmoment in dem plötzlich eine Stimme, ähnlich einem Sample aus einem Schwarz/ Weiß Film auftaucht. Es fällt die Metapher einer „Fratze“ oder „Maske“ die von Zeit zu Zeit getragen wird. Die Verbindung zum tristen Faschingsfoto einer Schulklasse der 1940er oder 1950er Jahre am Cover ist naheliegend. Die gesprochene Stimme wird immer intensiver, der berührende Gesang eines Mädchens setzt mit einer eindringlichen Melodie ein und vermischt sich mit der bereits vorhandenen Stimme zu einer narrativen, sich ergänzenden Einheit.
Das Ende der Platte wird nach einem Kapitel brachialer Riffs mit einem Schuss Ironie behutsam eingeläutet. Es bäumt sich umgeben von Minimalmelodien aus Gitarrenfeedbacks, langsam und episch zum großen Schlussakkord auf. Dieser wird aber unvermutet von fast vergessenen, akustischen Basstönen abgelöst.

Dreht man die Platte abermals um, so schließt der Anfang genau an das Ende an.
Somit wird das größtenteils instrumentale Stück zu einem Loop aus einem präzisen und doch abstrakten Spiel aus Psycho-Landscapes, die brachial und tänzelnd, melancholisch aber auch zwinkernd ein Bild ergeben, welches sich nicht klar einordnen lässt. Der Film zum Soundtrack bleibt im Kopf.